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Ein Bauwagen als Hühnerstall

Um eines vorweg zu nehmen: Wir halten keine Hühner, um damit Geld zu verdienen, sondern das Federvieh ist das persönliche Hobby der Chefin. Also meins! Natürlich freuen wir uns über frische Eier und ab und an auch über eine leckere Hühnersuppe. Für uns gehören Hühner einfach dazu.

Unser alter Hühnerstall war einfach "verwohnt" und kaputt. Zudem machten sich die Nager über unsere Eier her und konsumierten mehr Hühnerfutter als die eigentlichen Adressaten. Die erste Möglichkeit war, einen neuen Hühnerstall zu mauern. Mit Fundament, Grundmauern usw. eine sehr sportliche Aufgabe für mal güst so nebenbei. Also kam nur die zweite Idee in Betracht: Ein Bauwagen musste her!

  • Wo bekommt man einen Bauwagen her und worauf sollte man achten?

Mittlerweile sind Bauwagen zum Trendsport geworden. Das heißt, das der Preis ziemlich hoch ist. Um die 750€ muss man im Regelfall investieren, um ein einigermaßen passables Gefährt zu bekommen. Dazu kommen evtl. Transportkosten für einen Tieflader oder ähnliches. Wir sind in den ebay Kleinanzeigen fündig geworden. Alternativ kann man natürlich auch die Anzeigenseite der Zeitung durchblättern oder beim örtlichen Bauunternehmer anfragen.

Wichtig ist, dass das Untergestell intakt ist. Auch das Dach muss dicht sein. Unser Modell von 1971 hat ein verzinktes Blechdach und wir haben das Untergestell aus U-Eisen mit Metallrohren, die wir seitlich mit viel Kraft untergeschoben haben, verstärkt.

  • Und wenn der Bauwagen dann endlich zuhause ist?

Zuerst haben wir den Bauwagen entkernt. Wand- und Deckenverkleidung sind meistens aus Pappe. Manchmal findet man auch noch Zweitwohnsitze in den Zwischenwänden. Unserer war immerhin unbewohnt. Bauwagen sind meistens nicht isoliert. Vielleicht ist das heute anders, aber unser Schätzchen war da eher spärlich ausgestattet. Die Fenster haben wir ebenfalls komplett entfernt. Als nächstes haben wir den alten Lack angeschliffen und Silikonreste an der Außenfassade entfernt. Das Dach und die Außenwänse haben wir anschließend mit Schmiedelack gestrichen. Der ist sehr haltbar und braucht keine Grundierung. Wichtig! Das Dach in hellen Farben streichen. Im Sommer erhitzt sich ansonsten der Stall sehr schnell. Es soll ja ein Hühnerstall werden und kein Grillwagen! Die Wände haben wir in einem dunklen grau gestichen, aus heutiger Sicht würde ich auch da auf einen helleren Anstrich zurückgreifen.

 

Das Dach des Bauwagens wird in unserem Fall von umlaufenden Hölzern auf Spannung gehalten. Seitlich passen sehr gut Dachlatten mit den Maßen 6x4cm, vorne wird es da etwas komplizierter: Für den Bogen haben wir aus dem Innenaufbau einen Bogen entfernt und als Schablone benutzt. Ein befreundeter Tischler hat uns mit der Vorlage die äußeren Bögen nachgebaut. Alle verwendeten Hölzer im Außenbereich haben wir dreimal mit Holzschutzlasur gestrichen.

Das Türschloss war außerdem auch defekt. Auch das haben wir entfernt.

 

Und dann - dann kam ein fast zweijähriger Baustopp. Das heißt aber nicht, dass euer Projekt ähnlich lange dauern muss.;-)

 

Im September 2019 ging es endlich weiter. Die Wände hatten wir zwischenzeitlich mit Trittschalldämmung isoliert. Im gegensatz zu Glaswolle oder Steinwolle sacken die Platten nach einiger Zeit nicht zusammen und die Dämmung ist völlig ausreichend füt einen Hühnerstall.

Das kleine Fenster vorne im Wagen haben wir durch ein neues Fenster ersetzt. Der Kostenpunkt lag ungefähr bei 80€. Die Montage ist relativ einfach und erklärt sich fast von selber.

Florian hat den Bauwagen neu verkabelt, damit im Winter zusätzliches Licht eingeschaltet werden kann. Eine Steckdose (natürlich geeignet für den Außenbereich) ermöglicht bei eisigen Temperaturen den Betrieb einer Wärmelampe. Wir werden eine alte Ferkellampe aus dem Hofbestand nutzen. Bisher war das jedoch noch nicht notwendig.

Zwischen den Deckenbögen haben wir das Dach mit Steinwollplatten aus dem Baumarkt isoliert. Ein Paket reichte in unserem Fall für die komplette Isolierung. Die Innenverkleidung der Wände und des Bodens haben wir aus OSB Platten zugeschnitten. Am Boden haben wir Platten mit einer Stärke von 22mm eingesetzt, bei den Wänden reichten uns 18mm dicke Platten. Als Hilfsmaterial sind hier Stichsäge, Handkreissäge sowie Schraubzwingen sehr angesagt.

 

Was ist eigentlich aus dem großen Fenster an der Längsseite des Bauwagens geworden? Gute Frage!

Die vorhandene Folie wurde natürlich auch ersetzt durch dicke Plexiglasplatten, die wir mit der Stichsäge für jedes einzelne Feld zugeschnitten haben. Anschließend haben wir dünne, gehobelte Leisten auf die Außenseiten des großen Fensters und auf das Fensterkreuz aufgeschraubt. Eine umlaufende Silikonnaht macht die Sache wasserdicht. Von innen haben wir die Fensterleibungen mit OSB Plattenresten verkleidet.

Die Deckenverkleidung haben wir aus lackierten Schrankrückwänden gebastelt. Achtung! Für diese Arbeit kann man super mehrere Helfer gebrauchen! Von der Fensterfront angefangen haben wir eine Platte nach der anderen an den Deckenbögen überlappend angebracht. Fixiert haben wir die Platten mit großen Unterlegscheiben und Spaxschrauben. Leider gibt es von dieser Aktion keine Bilder, da alle Arbeitskräfte im Einsatz waren. Die Schrankrückwände findet man im gutsortierten Baumarkt.

Als nächstes haben wir alle Fugen mit Feuchtraumacryl versiegelt, damit sich Milben nicht so einfach einnisten können.

im unteren Bereich ist es sehr sinnvoll, einen wasserfesten Lack auzutragen mit einer vorangegangenen Grundierung. Wir haben dafür lösungsmittelfreie Holzlacke gewählt.

Wichtig ist auch der Einbau von Sitzstangen mit einem Kotbrett. Auch das haben wir aus 6x4cm starken Dachlatten und OSB Platten gebaut. Als erstes haben wir mit den Latten in ungefähr 130 cm Höhe ein Grundgerüst auf der Längsseite eingebaut. Dafür die Latten an den Außenseiten und an der Vorderseite hochkant anschrauben (evtl. vorbohren, das verhindert ein Aufplatzen des Holzes.

Den eigentlichen Wiem haben wir ebenfalls aus Dachlatten gefertigt. Dafür ein Rechteck schrauben, das etwas kürzer als die Innenmaße des Bauwagens ausfällt. Querstreben nicht vergessen, um Stabilität herzustellen! Damit wir einfach das Kotbrett reinigen können, haben wir die Sitzstangen klappbar gemacht. Dafür an der langen Außenwand eine Dachlatte anschrauben. Das gebaute Rechteck mit Schanieren an der Dachlatte anschrauben und zwar so, dass man den Wiem nach oben klappen kann. Zum Feststellen haben wir einfach zwei kleine Holzstücke an der Türseite in entsprechender Höhe angebaut, wie auf dem mittleren Bild zu sehen. Einfaches Prinzip, aber funktioniert saugut! Damit die Sitzstangen nicht direkt auf dem Kotbrett aufliegen, haben wir vorne unter das Rechteck kleine Lattenstücke angeschraubt. Ich glaube, das kann man auf den Bildern recht gut erkennen.

 

Hühnerstallausstattung für ca. 20 Hennen und einen Gockel:

  • zwei Futterautomaten mit Trittplatten
  • Legenest mit 5 Einzelnestern
  • zwei Tränken à 5 l Wasser
  • eine ca. 20 cm hohe Kunststoffwanne halbhoch mit Sand gefüllt
  • eine zweite Wanne halbhoch mit Dinkelspelzen gefüllt
  • ein Pferdeheunetz für frisches Gras oder Heu

Die Hennen haben sich sehr schnell an die Automaten gewöhnt, die mit pelletiertem Futter und Weizen sowie mit einem weiterem vorgemischtem Hühnerfutter gefüllt sind. In den ersten Tagen haben wir einfach einen Stein auf das Trittbrett gelegt, um das Futterfach dauernd zu öffnen.

Das Heunetz bietet gerade im Winter die Möglichkeit, auch bei kaltem Wetter den Hühnern eine Futteralternative zu geben.

Und warum eine Wanne mit Dinkelspelzen? Nicht alle Hennen legen gerne in die bekannten Legenester. Gerade unsere Grünleger schwören quasi auf die Spelzenwanne und legen nur dort. Alternativ kann man natürlich auch täglich Ostern spielen und die Eier im Stall suchen.;-)

 

 

Natürlich wollen auch unsere Hühner mal nach draußen. Damit nicht jedeesmal die große Tür offen bleiben muss, hat Tobi aus Metall eine kleine Hühnertür gebaut, die mit zwei Schanieren und einer einfachen Verriegelung ihren Dienst tut.

Leider war auch die vorhandene Bauwagentreppe ein Fall für die Tonne. Auch da sind Metallbauer am Hof ein Segen: Die neue, geschweißte Treppe mit eingeschraubten Tritten ist genial. Irgendwann wird auch noch der Handlauf fertig.

 

Unsere Hühner freuen sich außerdem immer wieder über Salatreste, gekochte Kartoffeln, Kürbis, rote Bete und ähnliches.

Wir haben den Aufwand für unseren Hühnerwagen deutlich unterschätzt. Die Kosten landeten im Endergebnis bei fast 1500€, ganz zu schweigen von der Arbeitszeit. Aber das Ergebnis ist klasse! Pflegeleicht, hühnergerecht und einfach schön.

Projekt gelungen, Haushaltskasse leer!:-D

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